Über mich – Leben mit ALS

Persönliche Erfahrungen mit ALS aus dem Alltag auf alexinspire.de

Wer ich bin und warum ich diesen Weg gehe.

Hey, ich bin Alex! 38 Jahre jung, Software-Berater, MBA, Weltenbummler, Vergeben, Neugierig, Fahrradverliebt, Zynisch, ehemaliger Zeitsoldat, Naturliebhaber und ein absoluter Freigeist.

Aber auch Ich bin Alex, 39 Jahre alt, Schwerbehindert, Chronisch krank, 6 Wochen Intensivstation, Pflegegrad 5, Rollstuhl, Intensivpflegebedürftig, beatmet weil meine Muskeln zu schwach sind um meine Lungen mit Luft zu füllen.

Ich lebe mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Auf alexinspire.de teile ich persönliche Erfahrungen aus meinem Alltag mit ALS, schreibe über Veränderungen, Herausforderungen und über die Themen, die mich im Leben mit der Erkrankung begleiten.

Diese Website ist kein medizinisches Fachportal. Sie ist ein persönlicher Ort, an dem ich meine Perspektive als Betroffener sichtbar mache – ehrlich, ruhig und ohne etwas zu beschönigen.

Sei dir also sicher, es gibt genug zu erzählen!

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Tage bis zur Diagnose

Eine ALS Diagnose kann eine lange Leidensgeschichte sein, wenn man an den falschen Arzt geriet. Bei mir gab es erst eine Fehldiagnose, die durch die Uniklinik Köln noch bestätigt wurde. Ich denke ich war beim richtigen Arzt, aber eventuell waren meine Symptome und Blutwerte, zu diesem Zeitpunkt, noch nicht eindeutig.

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Mitstreiter & Wegbegleiter

Mit meiner härtesten Herausforderung war ich glücklicherweise nie alleine. Die Menschen sind hilfsbereit und freundlich. Auf meinem Weg habe ich so viel Hilfe bekommen, ich bin froh jeden kennengelernt zu haben. Auf einem Musical in Fulda wollte meine Frau mit mir über das schwierige Kopfsteinpflaster fahren, ich saß schon Monate im Rollstuhl. Es war sichtlich schwer für uns  – Plötzlich ein Mann neben uns, „Ich mache das beruflich, ich helfe Ihnen.“ Und schon war ich unterwegs – Ich weiß nicht wer du warst, aber vielen Dank nochmal! Ist unser Land nicht wunderbar?

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Tage seit den ersten Symptomen

Dieser Muskelkater im Nacken, ich werde ihn niemals vergessen. Schließlich bin ich an diesem Wochenende am Bodensee gewesen. Bei blauem Himmel bin ich den Pfänder hochgewandert und habe die Aussicht genossen. 12 Monate später sollte ich ein Pflegefall sein – das Leben schreibt Geschichten.

Schlüsselmomente in einem Leben

Eine chronische Krankheit verändert nicht nur die Perspektive, sondern auch die Realität.

2024

10. August 2024

Wir feiern unsere kirchliche Hochzeit bei strahlendem Sonnenschein

12. Januar 2024

Ich heirate meine Freundin auf der neurologischen Intensivstation des UKGM Marburg – Premiere

07. Februar 2024

Diagnose ALS – Mein bisheriges Leben endet an diesem Tag – Prophezeiung durch den bisherigen Verlauf: Wenige Monate – Ich solle meine Sachen regeln- „fuck ich bin 38“ denk ich…

24. Januar 2024

Mit meiner letzten Kraft laufe ich in die Notaufnahme des UKGM Marburg

15. Januar 2024

Meine letzte eigene Autofahrt in meinem Leben

2023

Oktober

So vieles was ich das letzte Mal gemacht habe, Blutspenden, Klassentreffen, Männerabend in Fulda etc.

Am 26. Oktober werde ich das erste Mal stationär in einer neurologischen Klinik aufgenommen  – nach zwei Wochen erhalte ich die Diagnose Multifokale motorische Neuropathie (MMN), „damit kann ich leben“ denke ich mir zu diesem Zeitpunkt

1. September

Boulderhalle in Gießen – wie so häufig in diesem Jahr, auch der letzte Boulder-Nachmittag in meinem Leben

22. Juli

2023 wird das Jahr der Abschiede – nachdem ich mit meinem Fahrrad tausende von Kilometern zurückgelegt habe, u.a. nach Österreich, Litauen und durch Benelux, sitze ich das letzte Mal auf meinem geliebten Fahrrad – weit komme ich nicht mehr und muss schieben

22. April

Der letzte Berg den ich mit meinen Füßen hoch wandere – der Pfänder am Bodensee

14. Februar

Mein letzter Urlaub – mit einem Freund in Dubai

2022

17. Juni

Meine Freundin und ich starten auf unsere Benelux Radtour. Zwei Wochen voller Abenteuer stehen vor uns. Am Ende sind wir fast 800 Kilometer gefahren und haben unser Ziel Amsterdam erreicht

2019

3. Januar

ServiceNow – Ich war immer froh, dass ich mal bei ServiceNow arbeiten durfte. Diese 3,5 Jahre haben mich sehr geprägt und am Ende war ich nicht dafür gemacht – zu wenig Alphatier und überhaupt nicht gemacht für Ellenbogen Mentalität

2018

18. Februar

Ich habe meinen Master of Business Administration (MBA) in der Tasche.

Wenn ALS deinen Weg verändert

Interview mit einem ALS Patienten

ALS hat mein Leben grundlegend verändert. Früher war ich viel mit dem Fahrrad unterwegs und habe die Welt auf zwei Rädern erkundet – heute steuere ich meinen Computer ausschließlich mit den Augen. Diese Website ist meine Art, weiterhin aktiv zu sein, meine Stimme zu nutzen und Erfahrungen sichtbar zu machen, die im Leben mit ALS oft wenig Raum bekommen.

Mit meinem Blog und meinem ALS-Tagebuch teile ich persönliche Einblicke aus meinem Alltag. Ich schreibe darüber, was sich verändert hat, welche Herausforderungen dazugehören und wie sich das Leben mit der Erkrankung anfühlen kann. Nicht aus medizinischer Distanz, sondern aus der Perspektive eines Betroffenen.

Mir ist es wichtig, aufzuklären und zu informieren. Viele Menschen wissen nur wenig über ALS, und für Betroffene sowie Angehörige ist es oft schwierig, passende und verständliche Informationen zu finden. Mit dieser Seite möchte ich nicht nur meine eigene Geschichte erzählen, sondern auch Wissen weitergeben, Orientierung bieten und zur Sichtbarkeit der Erkrankung beitragen.

Wenn am Ende ein Betroffener schneller an wichtige Hilfsmittel kommt, ein Angehöriger neue Eindrücke gewinnt oder jemand, der zufällig auf diese Seite stößt, mit einem besseren Verständnis oder einem neuen Gedanken weitergeht, dann hat sich dieser Weg für mich bereits gelohnt. Ich möchte meinen Beitrag zu mehr Verständnis und Miteinander leisten.

Alles begann 2023 mit einem Muskelzucken im Oberschenkel und einem leichten Ziehen im Nacken, als hätte ich Muskelkater. Anfangs habe ich mir nichts dabei gedacht – solche Beschwerden kennt man ja. Doch das Zucken wurde häufiger, wanderte durch den Körper, und irgendwann merkte ich, dass mir die Kraft in Rücken und Armen fehlte. Dinge, die vorher mühelos gingen, wurden anstrengender. Meine Beine blieben stark, aber im Oberkörper fühlte sich alles ungewohnt schwach an. Genau kann ich mich noch daran erinnern wie ich im April 2023 in einem Café in Aschaffenburg saß und ich meinen Kaffee nicht mehr mit der linken Hand umrühren konnte. Es ging immer weiter bis ich merkte, dass ich nicht mehr auf meinem Rad sitzen konnte oder das Aussteigen aus dem Auto zur Mammut-Aufgabe wurde.

Nachdem ich monatelang den gesamten neurologischen Apparat von Untersuchungen durchlaufen hatte, kam ich irgendwann in dieser komischen neuen Welt an. Es hat sehr lange gedauert mich mit meinem neuen „Ich“ auseinanderzusetzen, schließlich hat sich bei mir alles so schnell und radikal geändert. Ich hatte keine Zeit durchzuatmen. Intensivpflege, nie mehr alleine, nicht mehr selbstständig, Rollstuhl, Beatmung, Formulare, Briefe, nie mehr spazieren gehen, nie mehr meine Frau umarmen, nie mehr Radfahren, nie mehr Leben. Gefangen in meinem eigenen Körper. Es war die Hölle für mich.

Doch mit der Zeit heilen alle Wunden, sagt man. Meine werden wohl nicht mehr heilen, aber man lernt damit umzugehen. Irgendwann war ich von meiner Hilflosigkeit, dem ewigen weinen und dem ganzen Traurig sein genervt. Ich glaube da muss man einfach durch, aber danach kann man wieder nach vorne schauen. Ich versuche das beste aus meiner Zeit zu machen.

ALS zu haben, fühlt sich an, als würde der eigene Körper nach und nach erstarren, während der Kopf völlig klar bleibt. Die Muskeln gehorchen immer weniger, Bewegungen werden mühsam, und irgendwann geht gar nichts mehr – aber das Empfinden bleibt.

Ja, ich kann noch alles spüren. Wärme, Kälte, Berührungen – all das nehme ich wahr wie jeder andere auch. Die Nerven, die für das Fühlen zuständig sind, bleiben von ALS unberührt. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn die Muskeln nicht mehr reagieren, aber die Haut trotzdem jede Berührung wahrnimmt. Es macht bewusst, wie sehr wir Bewegung mit Kontrolle verbinden – und wie fremd es sich anfühlt, wenn der Körper nicht mehr auf die eigenen Befehle hört.

Es gibt viele Geschichten, die mich geprägt haben – manche sind kleine Alltagsmomente, andere große Einschnitte. Aber eine, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war der Moment, als mir bewusst wurde, dass etwas nicht stimmt.

Ich saß in meiner Wohnung in Fulda und hatte spürbare neurologische Probleme, dabei hatte ich erst meine neue Wohnung mit Blick auf die Wasserkuppe bezogen. Ich war 38 Jahre, Radfahrer und bin kurz vorher noch 23km an einem schönen Samstag marschiert. Irgendwie war mir klar, da habe ich ein sehr großes Problem im Körper. Zu viel hatte ich in diesem Jahr schon durchgemacht, dachte ich, aber dieses Problem wird jeden Tag größer.

In meinem Kopf war nur noch ein Thema, ich muss da noch was regeln bevor ich es nicht mehr kann, dachte ich. Am Ende habe ich irgendwie meinen Koffer gepackt und in das Auto bekommen. Ich bin nach Dänemark gefahren und habe versucht meine Fehler wieder gut zu machen. Die Geschichte handelt von fehlendem Mut, falschen Ängsten aber auch von Verzeihen und Kraft – ich sollte ein Buch schreiben.

Diese Zeit hat mir gezeigt, wie zerbrechlich Selbstverständlichkeiten sind. Wie schnell sich das Leben in eine Richtung wenden kann, die man nicht geplant hat. Aber sie hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf das zu konzentrieren, was man verliert – sondern auf das, was bleibt. Und auf das, was man noch gestalten kann.

Es ist eine berechtigte Frage – auch wenn sie nicht leicht zu beantworten ist. Natürlich würde ich mir wünschen, dass es anders wäre. Aber wenn man mit so einer Diagnose lebt, verändert sich die Perspektive. Man lernt, die kleinen Dinge viel bewusster wahrzunehmen, jeden Moment mehr zu schätzen. Oberflächliche Probleme verlieren an Bedeutung, und echte zwischenmenschliche Verbindungen werden umso wertvoller.

Ich habe gelernt Hilfe anzunehmen, ohne mich dabei schwach zu fühlen. Und ich habe eine Art innere Stärke entdeckt, die ich vorher vielleicht nie gebraucht hätte. Es gibt also durchaus positive Aspekte – auch wenn ich sie mir unter anderen Umständen gewünscht hätte.

Meine Ziele haben sich durch die Diagnose verändert, aber sie sind nicht verschwunden. Ich möchte mein Leben so bewusst und erfüllt wie möglich gestalten – jeden Tag mit Bedeutung füllen. Ein großes Ziel ist es, mit meiner Webseite aufzuklären, zu inspirieren und anderen Mut zu machen, egal ob sie selbst betroffen sind oder nicht.

Ich möchte zeigen, dass das Leben trotz aller Herausforderungen lebenswert bleibt. Dass man immer noch lachen, fühlen, denken und gestalten kann. Außerdem ist es mir wichtig, die Zeit mit meinen Liebsten intensiv zu erleben und Erinnerungen zu schaffen, die bleiben. Und vielleicht kann ich mit meinem Tun sogar einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass ALS in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem Zeit – wertvolle, bewusste Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind. Zeit für gute Gespräche, für Momente, die in Erinnerung bleiben, und für all die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Zeit um mit meiner Frau im Sommer durch Schloss Fasanerie zu rollen und hoffentlich genug Zeit um irgendwann mal meinen eigenen kleinen Knirps kennenzulernen.

Ich wünsche mir, dass ALS mehr Aufmerksamkeit bekommt, dass Forschung vorankommt und dass Betroffene bessere Unterstützung finden – sei es durch Medizin, Pflege oder einfach durch mehr Verständnis in der Gesellschaft.

Und persönlich? Ich wünsche mir, weiterhin schreiben, gestalten und inspirieren zu können. Mein Leben aktiv zu leben, so gut es geht. Und dass ich trotz aller Herausforderungen immer wieder Gründe finde zu lächeln.

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