Als jemand, der sich seit Jahren mit dem Wertpapierhandel beschäftigt, bin ich immer auf der Suche nach Impulsen und Inspirationen. Ein Buch, das mich dabei wirklich gepackt hat, ist André Kostolanys Klassiker Die Kunst über Geld nachzudenken.
Der Altmeister der Börse vermittelt darin nicht nur Wissen, sondern vor allem seine Philosophie rund um Geld, Märkte und Anlegerverhalten. Ich möchte hier einige meiner persönlichen Notizen und Erkenntnisse teilen, die mir aus dem Buch besonders im Gedächtnis geblieben sind.
Die 4 G: Geld, Gedanken, Geduld, Glück (Seite 121–129)
Diese vier Schlagworte fassen Kostolanys Grundregeln für erfolgreiche Börsengeschäfte zusammen:
- Geld: Ohne Kapital geht es nicht.
- Gedanken: Man muss selbst nachdenken und verstehen, was man tut.
- Geduld: Nicht nervös werden, sondern ruhig sitzen bleiben können.
- Glück: Ein Quäntchen Zufall gehört dazu.
Das Ei des Kostolany (ab Seite 130)
Ein einfaches Bild, das erklärt, wie Zinsen und Wirtschaft zusammenhängen. Steigen die Zinsen, sinkt die Nachfrage nach Krediten – fallen sie, steigt sie. Was einfach klingt, kann dramatische Folgen haben, wenn die Notenbanken die Balance nicht halten. Kostolany beschreibt anschaulich, wie das Börsengeschehen von diesen Zinsbewegungen abhängt.
Wichtige Lehren aus dem Buch:
- Zinsen fallen? Börse kaufen! Laut Kostolany gibt es dann kein Wenn und Aber.
- Aktien auf Kredit kaufen ist verboten (S. 124): Ein klares Statement gegen Übermut.
- Börsenerfolg erfordert Sitzfleisch (S. 127/128): Nicht der Verstand, sondern Ausdauer entscheidet. Kostolanys Gleichung dazu: 2×2 = 5-1 – denn an der Börse kommt es oft anders, als man denkt.
- Marktphasen erkennen (S. 162): Dafür gibt es kein Lehrbuch, es braucht Erfahrung. Besonders spannend fand ich den Hinweis, dass Märkte auf schlechte Nachrichten nicht mehr reagieren, wenn sie überverkauft sind – ein Symptom für einen möglichen Wendepunkt.
- Informationsquellen und Nachrichten verstehen (S. 183–191): Warum Börsen oft gegen den gesunden Menschenverstand reagieren, z. B. bei Kriegen.
- KGV ist überschätzt (S. 208): Kostolany misst dem Kurs-Gewinn-Verhältnis weniger Bedeutung bei als viele Analysten heute.
- Turnarounds bei Verlierern erkennen (S. 209): Ein spannendes Thema für antizyklische Anleger.
- Chartanalyse mit Vorsicht genießen (S. 213–215): Kostolany hält nichts von allgemeiner Charttechnik, macht aber zwei Ausnahmen:
- Nur Einzelaktien betrachten, nie Indizes.
- Doppelaufstiegs- und Doppelrückschlagsregel, M- und W-Formationen.
- Hedgefonds und Anlageberater kritisch sehen (S. 222–224): Anlageberater haben oft andere Interessen als der Anleger selbst. Vermögensverwalter mit Gewinnbeteiligung sind laut Kostolany die bessere Wahl.
Mein Fazit:
Die Kunst über Geld nachzudenken ist kein klassisches Börsenbuch mit festen Regeln und Strategien. Vielmehr gibt es Einblicke in das Denken eines erfahrenen Spekulanten, der jahrzehntelange Höhen und Tiefen miterlebt hat. Gerade für Hobby-Wertpapierhändler wie mich liefert es wertvolle Denkanstöße und die Bestätigung: Geduld, Ausdauer und das Vermeiden von Übermut sind entscheidend.
Wer sich mit Börse, Aktien, Zinsen und Kapitalmärkten beschäftigt, sollte sich dieses Buch definitiv auf die Leseliste setzen.




