Ein Team von Wissenschaftlern der Mount Sinai School of Medicine hat bahnbrechende Biomarker entdeckt, die bereits in der Kindheit auf das Auftreten der neurodegenerativen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), auch bekannt als Lou-Gehrig-Krankheit, hinweisen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Mai 2020 in den „Annals of Clinical and Translational Neurology“ veröffentlicht.
Biomarker in den Wachstumsringen der Zähne
Die Forscher untersuchten Zähne von ALS-Patienten und analysierten die Wachstumsringe, die sich täglich in den Zähnen bilden. Mit Hilfe von Lasertechnologie identifizierten sie Biomarker, die bereits bei der Geburt und in den ersten zehn Lebensjahren darauf hindeuten, dass Menschen, die später ALS entwickeln, Metalle anders verarbeiten als gesunde Personen. Besonders auffällig war eine gestörte Aufnahme essenzieller Elemente wie Zink und Kupfer sowie von Schadstoffen wie Blei und Zinn.
Ein Durchbruch für die ALS-Forschung
ALS tritt in der Regel erst im Alter von 50 bis 60 Jahren auf, und bislang war weder die Ursache der Krankheit bekannt noch eine Methode zur Vorhersage ihres Auftretens verfügbar. Laut Manish Arora, Senior-Autor der Studie und Professor für Umweltmedizin und Öffentliche Gesundheit am Mount Sinai, sei dies die erste Studie, die eine klare Signatur bereits bei der Geburt und in der frühen Kindheit zeigt, lange bevor Symptome auftreten.
„Wir hoffen, dass diese Arbeit nach Validierung in größeren Studien zu präventiven Strategien führen wird“, erklärte Arora. Langfristig könnten diese Erkenntnisse Wege für die Entwicklung von Medikamenten zur Modifikation dieser biologischen Prozesse ebnen.
Verbindungen zu anderen neurologischen Erkrankungen
Christine Austin, Mitautorin der Studie und Assistenzprofessorin für Umweltmedizin am Mount Sinai, führte aus, dass eine gestörte Elementaufnahme in der frühen Kindheit bereits mit neurologischen Störungen wie Autismus und ADHS in Verbindung gebracht wurde. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass solche Stoffwechselstörungen auch bei Krankheiten wie ALS auftreten können, deren Symptome erst Jahrzehnte später sichtbar werden.
Zusammenarbeit und weitere Erkenntnisse
Ein Schlüsselfaktor für diese Forschung war die Zusammenarbeit mit der University of Michigan, die Proben und Daten von ALS-Patienten sowie Kontrollgruppen bereitstellte. Eva Feldman, Neurologin und Direktorin des ALS-Zentrums an der University of Michigan, betonte die Bedeutung dieser interdisziplinären Arbeit.
„Genetische Studien haben wichtige Beiträge zum Verständnis von ALS geleistet, aber sie liefern nicht das komplette Bild“, erklärte Feldman. Vorherige Untersuchungen ihres Teams hatten bereits einen Zusammenhang zwischen organischen Schadstoffen und dem ALS-Risiko aufgezeigt. Diese neue Studie hebt jedoch die Rolle von Metallen als potenziellen Risikofaktor hervor.
Zukunftsperspektiven
Die Arbeit von Austin und Arora wurde durch Unterstützung nationaler Forschungsinstitutionen wie dem Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development finanziert. Diese vielversprechenden Ergebnisse könnten einen bedeutenden Schritt in der präventiven ALS-Forschung darstellen und dazu beitragen, neurologische Krankheiten besser zu verstehen und früher zu erkennen.
Fazit
Die Entdeckung von Biomarkern in Zähnen öffnet neue Horizonte für die ALS-Forschung. Sie bietet die Hoffnung, dass zukünftig präventive Strategien und gezielte Medikamente entwickelt werden können, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen oder sogar zu verhindern. Dieser Fortschritt unterstreicht die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und innovativer Technologien in der medizinischen Forschung.
Denk daran, immer schön stabil bleiben!

Quellen
https://www.mountsinai.org/about/newsroom/2020/researchers-discover-biomarkers-of-als-in-teeth-pr


