Stell dir vor, du gerätst in eine medizinische Notlage – und kannst nicht mehr selbst erklären, welche Medikamente du brauchst, welche du keinesfalls verträgst oder dass du dauerhaft beatmet wirst. Genau das kann bei Menschen mit ALS (Amyotropher Lateralsklerose) oder anderen neuromuskulären Erkrankungen schneller passieren, als man denkt. Und genau deshalb sind gut zugängliche Notfalldaten keine Spielerei – sie können Leben retten.
Was sind Notfalldaten – und warum sind sie so wichtig?
Notfalldaten umfassen medizinisch relevante Informationen, die im Ernstfall sofort verfügbar sein sollten. Dazu gehören:
- Diagnosen (z. B. ALS)
- Allergien oder Unverträglichkeiten
- Medikamente und Beatmungseinstellungen
- Notfallkontakte
- Hinweise auf Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht
Wenn Ersthelfer oder Ärzte diese Daten nicht rechtzeitig erhalten, kann das schwerwiegende Folgen haben – von falscher Medikation bis zur lebensgefährlichen Narkose. Besonders für uns ALS-Betroffene, bei denen z. B. maligne Hyperthermie eine Rolle spielt oder eine nicht-invasive Beatmung angepasst ist, kann die richtige Information im richtigen Moment entscheidend sein.
Diese Möglichkeiten hast du, um deine Notfalldaten zugänglich zu machen
1. Notfallpass im Smartphone
Moderne Smartphones bieten die Möglichkeit, medizinische Infos direkt im Sperrbildschirm zu hinterlegen:
- iPhone: In der „Health“-App lässt sich ein Notfallpass erstellen.
- Android: Unter „Sicherheit“ oder mit speziellen Apps wie „ICE“ kannst du wichtige Infos hinterlegen.
Vorteil: Immer dabei, leicht zu aktualisieren – und für Ersthelfer sofort sichtbar, auch ohne PIN.
2. Elektronische Gesundheitskarte (eGK)
Deine eGK kann mehr als nur die Krankenkasse anzeigen: Über das sogenannte Notfalldatenmanagement (NFDM) können medizinische Informationen gespeichert werden – verschlüsselt und nur für autorisiertes Personal zugänglich. Frag deine Hausarztpraxis, ob sie das für dich einrichtet!
3. Elektronische Patientenakte (ePA)
Ein echter Zukunftsbaustein ist die ePA – ein digitaler Ordner mit all deinen Gesundheitsdaten, gesteuert über eine App deiner Krankenkasse. Du entscheidest, wer welche Infos sieht. Die ePA wird ab 2025 flächendeckend ausgebaut.
4. Notfallregister für Menschen mit besonderen Bedarfen
Das Notfallregister richtet sich gezielt an Menschen mit komplexen Erkrankungen oder Behinderungen – also ideal für viele ALS-Betroffene. Rettungsdienste können im Notfall auf die dort hinterlegten Informationen zugreifen, um individuell zu helfen.
5. Die gute alte Notfalldose
Klingt simpel, ist aber genial: Eine grüne Dose mit einem Datenblatt kommt in den Kühlschrank. Ein Aufkleber an der Tür weist darauf hin. Funktioniert auch ohne Technik – und ist schnell zur Hand, wenn digitale Systeme versagen.
6. Der DGM-Notfallpass für Muskelkranke
Speziell für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen bietet die DGM einen eigenen Notfallpass mit Infos zu Risiken, Medikamenten und Beatmung. Ideal für die Brieftasche – immer dabei, schnell erklärt.
Datenschutz – berechtigt, aber nicht überbewerten
Natürlich ist Datenschutz ein Thema. Aber: Alle digitalen Systeme arbeiten mit moderner Verschlüsselung. Letztlich bleibt es deine Entscheidung, wie viel du teilst – und wie viel Sicherheit du im Notfall haben willst.
Mein Fazit: Besser vorbereitet als überrascht
Ich selbst lebe mit ALS. Ich weiß, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein – und wie schnell im Notfall Sekunden entscheiden. Notfalldaten geben mir ein Stück Kontrolle zurück. Sie helfen nicht nur mir, sondern auch denen, die mir helfen wollen.
Mein Tipp: Such dir mindestens zwei Wege aus, deine Notfalldaten verfügbar zu machen. Smartphone + Notfallpass, eGK + Notfallregister – was immer für dich passt.
Bleib sicher. Bleib informiert. Und denk daran: Notfalldaten sind keine Kleinigkeit – sie sind ein stiller Lebensretter.
Wenn du Fragen hast oder selbst schon Erfahrungen mit Notfallpässen gemacht hast, schreib mir gern in die Kommentare oder per Mail.




